Die  Riester-Förderung  besteht aus einer Zulagenförderung und einer  (ergänzenden)  Einkommenssteuerförderung, die das Finanzamt
im  Rahmen  der  so  genannten  „Riester-Günstigerprüfung“ ermittelt. Die Berechnungen für die beiden Förderungen differieren und erfordern unterschiedliche Basisdaten. Dies macht sich besonders bei Ehepaaren bemerkbar.

Für die Berechnung des Mindesteigenbeitrags und damit der Zulagenförderung  ist  vorrangig  das  GRV-pflichtige (oder gleichgestellte) Einkommen allein des unmittelbar Förderpflichtigen ausschlaggebend – neben weiteren Eingaben wie  zum  Beispiel  Kindergeldberechtigungen oder Alter.

Für die Berechnung der Steuerförderung sind alle einkommenssteuerpflichtigen Einkünfte wichtig – auch die des Ehepartners. Selbst bei konstanten Einkommensdaten kann es im Laufe der Zeit Veränderungen der Zulagenhöhen geben. So können Zulagen für Kinder oder für Berufseinsteiger  wegfallen.  In  der  Regel  werden wegfallende Zulagen durch erhöhte Steuerförderungen kompensiert.

Können bei einem Riester-Förderrechner die notwendigen Basisdaten nicht eingegeben  werden,  so  drohen  fehlerhafte Ergebnisse. Dies soll an einem Internet-Rechner eines bedeutenden Lebensversicherers demonstriert werden (siehe Abbildung). Erfreulich am Beispiel ist, dass sogar mittelbar Förderfähige ihre Förderungen  ausrechnen können. Leider ist jedoch keines der Ergebnisse korrekt.

Mittelbar  Förderfähige  müssen  null Euro Eigenbeitrag leisten – statt 60 Euro. In welcher Höhe die Zulagen gewährt werden, hängt vom Eigenbeitrag des unmittelbar Förderfähigen ab. Doch dieser kann (mangels abgefragter Basisdaten) gar nicht berechnet  werden.  Die  Gewährung  der Kinderzulage  bis  in  alle  Ewigkeit  („ab 2010“) ist sicherlich falsch und die Abfrage zum Berufseinsteigerbonus ist fehlerhaft. Es fehlen unter anderem notwendige Eingabemöglichkeiten von Vorsorgen, die die Riesterförderung kürzen könnten, und
für die Einkünfte des Ehepartners. Die angegebene Zulagen- und Steuerförderung muss daher nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Hohes Fehlerpotenzial

Die gleichen Höhen der illustrierenden Balken bei unterschiedlicher Sparleistung werfen zusätzliche Fragen auf.
Für unmittelbar Förderfähige erhöht sich noch das Fehlerpotenzial. So werden unmögliche Eingabekombinationen kommentarlos akzeptiert (Lohnsteuerklasse II und zugleich 0 Kinder). Allein die unnötige Frage nach der Lohnsteuerklasse ist entlarvend. Die Berechnung geschieht auch in diesem Fall ohne Eingabemöglichkeit für Partnerdaten  oder  Kinderzuordnungen.
Die Berechnung der Riester-Förderungen führt höchstens zufällig zu annähernd korrekten Ergebnissen.
Der  im  Beispiel  angegebene  nahezu unbrauchbare Riester-Förderrechner wird von dem Lebensversicherer zur Selbstberatung im Internet angeboten. Wie soll sich ein Einfirmenvertreter desselben Versicherers verhalten, wenn ein Kunde mit diesen „Ergebnissen“ zur Beratung kommt? Soll er auf dieser Basis seine Empfehlung aussprechen – und begründen? Soll er auf die Unfähigkeit der Zentrale hinweisen, die die
Fehler der angekauften Software nicht erkannt hat? Was ist, wenn die Software-Fehler  dort  sogar  bekannt  sein  sollten? Makler können sich einfacher distanzieren – vom „Ergebnis“ wie vom Versicherer.

Fazit: Ein Beitrag zur Überwindung der Vertrauenskrise der Kunden in die Finanzdienstleister sind derartige Riester-Förderrechner sicherlich nicht. Das Schadenpotenzial ist damit höher, als es auf den ersten Blick erscheint.

Autor(en): Dr. Wolfgang Drols und Dr. Johannes Fiala

Quelle: Text als PDF herunterladen Ausgabe Nr.: 2009-04