Der Abschluss eines Altersvorsorgevertrags ist eine Investition. Wie bei jeder anderen Investition stehen auch beim Abschluss eines Riester-Vertrags  die  staatlichen  Förderungen in der Investitionsphase im Mittelpunkt des Kundeninteresses – und zwar für die gesamte Investitionszeit und vollständig. So selbstverständlich der Kundenwunsch  nach  umfassender  Aufklärung ist, so erfüllen nur wenige Riester-Förderrechner  diesen  Wunsch.  Viel  zu häufig  werden  die  Riester-Steuerförderungen unterschlagen. Die Information des Rechners beschränkt sich gerade einmal auf die Prognose der Zulagen – und diese sind dann oft auch noch falsch.

Der unten abgebildete Riester-Förderrechner beschränkt sich lediglich auf Angaben  zur  Zulagenförderung  und  zum dazu notwendigen Eigenbeitrag – hier 339 Euro jährliche Zulage. Es findet sich kein Hinweis darauf, dass die berücksichtigte Kinderzulage  irgendwann  wegfällt  und der notwendige Eigenbeitrag steigen muss. Vielmehr wird eine unzutreffende Zulagenkonstanz vorgegaukelt. Es findet sich auch kein Hinweis auf einen möglichen Berufseinsteigerbonus. Es fehlen für eine Berechnung eines derartigen Anspruchs schlichtweg die notwendigen Eingabeoptionen. Möglich sind nur drei Eingaben, nämlich die Anzahl der Kinder, die bis zum 31. Dezember 2007 geboren wurden, die Anzahl der Kinder, die danach geboren wurden, und als dritte Eingabe das Bruttojahreseinkommen.  Eine  Eingabemöglichkeit zum Familienstand fehlt gänzlich.

Bei Ehepaaren bleibt unklar, was als Bruttojahreseinkommen  eingegeben werden soll. Ist es nur das Einkommen vom Interessenten oder vom Ehepaar? Ist es der rentenversicherungspflichtige Teil? Als einzige Erklärung in der Spalte „Einkommen“  ist  der  kryptische  Satz  „vier Prozent  Ihres  Bruttoeinkommens  ab 2008 (maximal 2.100 Euro)“ aufgeführt. Aber was sagt dieser aus? Und warum ist der Hinweis „ab 2008“ im Jahre 2009 notwendig? Welche Kinderanzahl muss eingegeben werden? Alle, die in der Familie leben? Nur die leiblichen Kinder? Leider fehlen alle Hilfetexte bei Eingaben – wenn man vom oben zitierten, kryptischen Satz absieht.

Die  Unzulänglichkeit  des  Rechners zeigt ein Beispiel: Für einen Ledigen (geboren am 2. Dezember 1970) mit konstantem  rentenversicherungspflichtigen Einkommen  in  Höhe  von  30.000  Euro und einem Kind (geboren am 1. Januar 1991 und mit 18-jähriger Kindergeldzahlung)  passt  die  Berechnung  aus  dem Screenshot. Für die Laufzeit von 29 Jahren fallen  34.800  Euro  Bruttoprämien  an. Dem Screenshot ist zu entnehmen, dass 9.831 Euro an Zulagen vom Staat beigesteuert werden, das heißt, im Vergleich zu seinem derzeitigen Einkommen verringert sich sein kulmuliertes zukünftiges Nettoeinkommen um 27.869 Euro.

In Wirklichkeit gibt es aber nur 4.466 Euro Zulagen – aber zusätzlich noch circa 7.000 Euro Riester-Steuerförderung, rund 14.000 Euro zukünftige Ersparnisse aus dem AltEinkG sowie durch die Konjunkturpakete I + II nochmals weit über 5.000 Euro. Insgesamt stellt der Staat Investitionsmittel in Höhe von über 30.000 Euro zur Verfügung, die der Interessierte für seine Altersvorsorge nutzen kann, ohne seinen  derzeitigen  Lebensstandard  einschränken zu müssen. Nur die verbleibenden circa 4.500 Euro mindern seinen heutigen Lebensstandard – monatlich um knapp 13 Euro.

Ingesamt ist dieser Riester-Förderrechner ein Beispiel für einen tölpelhaften Informationsservice. Die wichtigen Informationen fehlen und die angezeigten Rechenergebnisse sind fehlerhaft. Die angemessene  Strafe  hierfür  ist  die  Missachtung durch die Interessenten. Die Clickrate wird es hoffentlich schon richten.

Autor(en): Wolfgang Drols und Johannes Fiala

Quelle: Text als PDF herunterladen Ausgabe Nr.: 2009-08